Geschichten und Sagen rund um die Löwenpfade

Zahlreiche Geschichten und Sagen ranken sich um die Symbolfigur des Löwen und machen Lust, die Schwäbische Alb mit ihrem Facettenreichtum zu entdecken. So hat auch jeder Löwenpfad eine ganz eigene Geschichte, die es zu erzählen gilt.

Hör mal! Der Löwen – Rap für Kinder und Löwenmenschen:

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Anleitung: Rap "Wir gehen heut´ auf Löwenjagd" - Bewegungen (231,6 KB)

Johanna Sänger und Tabea Nick sprechen den Rap "Die Löwenjagd" ein. Wolfgang Riedel unterstützt im Hintergrund mit der Tontechnik.
Johanna Sänger und Tabea Nick sprechen den Rap "Die Löwenjagd" ein. Wolfgang Riedel unterstützt im Hintergrund mit der Tontechnik.

Ave-Weg

Der Löwe an der "Alt Ave"

Oberhalb der prachtvollen Wallfahrtskirche Ave Maria – einem Kleinod aus dem deutschen Spätbarock – stand im frühen Mittelalter eine kleine Kapelle, „Alt Ave“ genannt. Die Kapelle war in wasserreichem Quellgebiet errichtet. Der Sage nach waren einst über 50 kleine Quelltöpfe vorhanden aus denen das Wasser nur so sprudelte. Einer der sprudelnden Quellen wurde eine heilende Wirkung zugesprochen. Trank ein Kranker daraus, so wurde sein Gebrechen sofort geheilt. Doch trank man aus der falschen Quelle, so sollte einen ein schneller Tod ereilen. Viele versuchten ihr Glück, doch nur wenige fanden unter den vielen Quellen die eine richtige heraus. Diejenigen, die durch das Wasser geheilt wurden, berichteten im Nachhinein, dass ihnen auf der Suche nach der richtigen Quelle ein wunderschöner und im Licht glänzender Löwe erschienen ist, der ihnen den Weg zur richtigen Quelle gezeigt haben soll. Doch erschien der Löwe nur den Hilfesuchenden, die reinen Herzens waren.

Berta-Hörnle-Tour

Die hölzerne Gans

Unter den vielen Geschichten im Schwabenland erzählt man sich auch die der Stauferprinzessin Berta, die mit Graf Heinrich von Aichelberg verheiratet war. Sie wohnte in dem Dörfchen Boll, das zu der Zeit der Grafschaft Aichelberg angehörte. Im selben Dorf hatten zu dieser Zeit einige Schneegänse den armen Leuten viel Schaden an Feldern und Früchten angerichtet. Da die Gräfin als heilige und andächtige Frau bekannt war, erreichten sie die Klagen vieler Leute.

So beschloss sie, eine hölzerne Gans auf einen Pfahl schnitzen zu lassen. Diese sollte die räuberischen Schneegänse abhalten, solange die hölzerne Gans bei den Dorfbewohnern blieb. Viele Jahre vergingen und die Menschen blieben von den Gänsen verschont, bis zu der Zeit als Herzog Ulrich von Württemberg das Land einnahm. Mit ihm kam eine neue Religion, wie auch ein neuer Pfarrer. Für ihn war die hölzerne Gans Aberglaube, ein Götzenbild. So ließ er sie zerstören und verbrennen. Dadurch konnten sich die Schneegänse wieder ungestört auf das Saatgut auf dem Acker stürzen. Man munkelt allerdings, dass es eigentlich ein Alblöwe war, der die Schneegänse verscheucht hatte. Allerdings wurde dieser mit der Übernahme des Landes von Herzog Ulrich ebenfalls vertrieben.
 

Felsenrunde

Die steinerne Jungfrau

In dem beschaulichen Heilkurort Bad Überkingen – oder besser gesagt in seinem Ortsteil Oberböhringen – unmittelbar an der imposanten Felsformation des Naturschutzgebietes der Hausener Wand – gibt es die Sage des Jungfraufelsen. Dieser verdankt seinen Namen der Geschichte nach einer wunderschönen Jungfrau, die von einem Jäger verfolgt wurde. Völlig abgehetzt und außer Atem erreichte sie einen imposanten Felsen, der auf fast allen Seiten einen steilen Abhang hinab ging. Es gab keinen Ausweg zu entkommen und der Jäger kam immer näher und näher. Voller Verzweiflung beschloss die Jungfrau ihrem Leben ein Ende zu setzen und sich den Felsenabhang hinab zu stürzen. Alsdann sprang die junge Frau in die Tiefe. Daraufhin ließ der Jäger von ihr ab, da er davon überzeugt war, sie habe den Sturz nicht überlebt. Die Jungfrau jedoch überlebte den Sturz auf wundersame Weise und wurde gerettet. Es geht das Gerücht um, dass ein Alblöwe sie unterhalb des Felsens aufgefangen hat. Seither heißt der Fels, von dem sie sich stürzte „Jungfrauenfels“.

Filstalgucker

Die ertrunkenen Söhne vom Geiselstein

Um das heilige Osterfest ritt der Graf von Geiselstein frohen Muts auf die Jagd nach einem Alblöwen und ließ seine beiden Knaben allein zu Haus. Weil die Sonne so schön schien, wollten die Brüder hinab an den Burgsee zum Baden gehen. Auch die dunkle Wolken in der Ferne und die ersten Vorboten eines heftigen Gewitters konnten sie nicht davon abhalten.

Währenddessen hastete der Vater aufgrund des nahenden Gewittersturms voller Sorge zur Burg zurück, doch er konnte dort die Knaben nicht auffinden. Während es donnerte und brauste und Blitze über den Himmel zuckten, blickte der Vater von einer Höhle unterhalb des Schlosses hinaus und rief nach seinen Söhnen. Dabei erblickte er die Buben im See bei dem Versuch, ans Ufer zu gelangen. Schließlich musste er mitansehen, wie seine Söhne jämmerlich ertranken. Der alte Vater wurde nicht müde, immer nach ihnen auszuschauen, bis sein Herz vor unendlichem Schmerz erkaltete und er zu Stein erstarrte. Der Stamm der Familie war somit erloschen. Wenn man oben vom Geiselstein herabblickt, sieht man da unten noch immer aus der Öffnung der Höhle das versteinerte Haupt des alten Grafen hervorstehen.

Geislinger Felsen-Tour

Das Mordloch

Vor mehreren hundert Jahren, als noch auf dem Himmelsfelsen eine Burg stand, haben Wilderer in einer Nacht den Eybacher Schlossförster erschossen und den Leichnam im Mordloch versteckt. Der Jäger besaß jedoch einen treuen gezähmten Löwen, von dem niemand etwas wusste. Dieser machte sich alsbald auf die Suche nach seinem Herrn und fand ihn nach kurzer Zeit.Den Mörder ereilte bald darauf die wohlverdiente Strafe, indem er vom Ravensteiner Felsen abstürzte. Auf dem Sterbebette bekannte er seine grausige Tat. Seither gehen die Wanderer ängstlich am Mordloch vorüber.

Filsursprung-Runde

Die Sage vom Riesen Heim

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Die Burg Reußenstein liegt auf jähen Felsen weit oben in der Luft und hat keine Nachbarschaft als die Wolken und bei Nacht den Mond. Gerade gegenüber der Burg, auf einem Berg, der Heimenstein genannt, liegt eine Höhle, darinnen wohnte vor alters ein Riese. Er hatte ungeheuer viel Gold und hätte herrlich und in Freuden leben können, wenn es noch mehr Riesen und Riesinnen außer ihm gegeben hätte. Da fiel es ihm ein, er  wollte sich ein Schloss bauen, wie es die Ritter haben auf der Alb. Der Felsen gegenüber schien ihm gerade recht dazu.
 
Er selbst aber war ein schlechter Baumeister. Er grub mit den Nägeln haushohe Felsen aus der Alb und stellte sie aufeinander, aber sie fielen immer wieder ein und wollten kein geschicktes Schloss geben. Da legte er sich auf den Beurener Felsen und schrie ins Tal hinab nach Handwerkern: Zimmerleute, Maurer und Steinmetzen, Schlosser, alles solle kommen und ihm helfen, er wolle gut bezahlen. Man hörte sein Geschrei im ganzen Schwabenland, vom Kocher hinauf bis zum Bodensee, vom Neckar bis an die Donau, und überallher kamen die Meister und Gesellen, um dem Riesen das Schloss zu bauen. Nun war es lustig anzusehen, wie er vor seiner Höhle im Sonnenschein saß und über dem Tal drüben auf dem hohen Felsen sein Schloss bauen sah. Die Meister und Gesellen waren flink an der Arbeit und bauten, wie er ihnen über das Tal hinüber zuschrie. Sie hatten allerlei Schwank und fröhliche Kurzweil mit ihm, weil er von der Bauerei nichts verstand.
 
Endlich war der Bau fertig, und der Riese zog ein und schaute aus dem höchsten Fenster aufs Tal hinab, wo die Meister und Gesellen versammelt waren und fragte sie, ob ihm das Schloss gut anstehe, wenn er so zum Fenster hinausschaue.
Als er sich aber umsah, ergrimmte er, denn die Meister hatten geschworen, es sei alles fertig, aber an dem obersten Fenster, wo er heraus sah, fehlte noch ein Nagel.
 
Die Schlossermeister entschuldigten sich und sagten, es habe sich keiner getraut, sich vors Fenster zu setzen und den Nagel einzuschlagen.
Der Riese aber wollte nichts davon hören und den Lohn nicht eher auszahlen, als bis der Nagel eingeschlagen sei.
Da zogen sie alle wieder in die Burg. Die wildesten Burschen vermaßen sich hoch und teuer, es sei ihnen ein Geringes, den Nagel einzuschlagen. Wenn sie aber an das oberste Fenster kamen und hinausschauten und hinab ins Tal, das so tief unter ihnen lag, und ringsum nichts als Felsen, da schüttelten sie den Kopf und zogen beschämt ab. Da boten die Meister zehnfachen Lohn dem, der den Nagel einschlage, aber es fand sich lange keiner.
 
Nun war ein flinker Schlossergeselle dabei, der hatte die Tochter seines Meisters lieb und sie ihn auch.
Aber, der Vater war ein harter Mann und wollte sie ihm nicht zum Weibe geben, weil er arm war. Da fasste sich der junge Bursche endlich ein Herz und dachte, er könne hier seine Braut verdienen oder sterben, denn das Leben war ihm verleidet ohne sie. Er trat vor den Meister, ihren Vater, und sprach: “Gebt Ihr mir Eure Tochter, wenn ich den Nagel einschlage?” Der Vater aber gedachte, seiner auf diese Art loszuwerden, wenn er auf die Felsen hinabstürze und den Hals breche, und sagte: „Ja!“.
 
Der flinke Schlossergeselle nahm den Nagel und seinen Hammer, sprach ein frommes Gebet und schickte sich an, zum Fenster hinauszusteigen und den Nagel einzuschlagen für sein Mädchen. Da erhob sich ein Freudengeschrei unter den Bauleuten, dass der Riese vom Schlaf erwachte und fragte, was es gebe. Und als er hörte, dass sich einer gefunden habe, der den Nagel einschlagen wolle, kam er, betrachtete den jungen Schlosser lange und sagte: ”Du bist ein braver Kerl und hast mehr Herz als das Lumpengesindel da. Komm, ich will dir helfen!” Da nahm er ihn beim Genick, dass es allen durch Mark und Bein ging, hob ihn zum Fenster hinaus in die Luft und sagte: „Jetzt hau drauf zu, ich lasse dich nicht fallen.“ Und, der Knecht schlug den Nagel in den Stein, dass er fest saß. Der Riese aber küsste und streichelte ihn, dass er beinahe um` s Leben kam, führte ihn zum Schlossermeister und sprach: “Diesem gibst du dein Töchterlein!” Dann ging er hinüber in seine Höhle, langte einen Geldsack heraus und zahlte jeden aus bei Heller und Pfennig. Endlich kam er auch an den flinken Schlossergesellen. Zu diesem sagte er: “Jetzt geh heim, du herzhafter Bursche, hole deines Meisters Töchterlein und ziehe ein in diese Burg, denn sie ist dein.”
 
 nach Wilhelm Hauff (29. 11. 1802 - 18. 11. 1827), schwäbischer Dichter

Höhenrunde

Spuk auf der Hiltenburg

Vor Zeiten lebte auf der Hiltenburg eine Schöne – ihr Name ist längst vergessen – der Stolz ihres Vaters, der sich nicht genug tun konnte, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Von jeder Reise brachte er ihr Geschenke, kostbare Ringe, Armspangen, Halsketten, Löwenfiguren aus Elfenbein, Spiegel, kurz alles, was ihr Herz begehrte und hegte im stillen Herzkämmerlein den Wunsch, sie einmal auf dem Thron zu sehen und sich in ihrem Glanze zu sonnen.Älter geworden kam bei dem Mädchen zur Lust des Schmuckes noch die Lust des Lebens und die Begier, alles zu kosten und zu genießen, was das Leben zu bieten hatte. Manch ehrlicher Freier zog achselzuckend wieder ab, nachdem er gesehen hatte, welch Geistes Kind die Gerühmte war. Nicht weit von der Hiltenburg, auf dem Drackenstein, lebte ein Junker, etwas älter als die Hiltenburgerin. Der hätte sie gerne zur Gemahlin gehabt, wurde aber abgewiesen und konnte nur zusehen, wie sich die Schöne mit anderen vergnügte, von denen er einige als rechte Lotterbuben kannte. Immer, wenn ihr Vater auf Reisen war, konnte er mit eigenen Augen beobachten, dass in der Nacht ein Licht, bei Tag ein flatterndes Band im Fenster irgendeinen Liebhaber rief.Teils aus ehrlicher Zuneigung zu den Helfensteinern, teils aus Eifersucht und verschmähter Liebe entschloss sich der Junker, den Vater über das Treiben seiner Tochter aufmerksam zu machen. Und weil der es nicht glauben wollte, schlug er ihm vor, eine Reise vorzutäuschen, auf die Zeichen zu warten und dann die Sünder zu überraschen. Der betrogene Vater stellte seine ungeratene Tochter wohl zur Rede. Allein sein Schmerz war so groß, dass er langsam dahinsichte und vor Gram und Schande vorzeitig starb. Noch auf dem Totenbett verwünschte er seine Tochter. Statt aber in sich zu gehen, führte diese ihr Leben weiter wie bisher. Darauf war der Junker von Drackenstein mit einem Mal verschwunden und nie mehr gesehen, kurz bevor es auch mit den Helfensteinern und der Zerstörung der Burg durch Herzog Ulrich von Württemberg ein schlimmes Ende nahm.Seitdem spukt es auf der Hiltenburg. Das Burgfräulein ging um, wie die Leute erzählten, und dies auch noch, als die Burg in Trümmer gesunken war. Einmal wurden Kinder aus dem Dorf, die am Schlossberg Beeren sammelten, von dem Geist überrascht. Das Burgfräulein winkte ihnen zu, dass sie zu ihr kommen möchten. Aber die Kinder flüchteten laut schreiend ins Dorf hinunter, verfolgt von dem Burgfräulein und einem wilden Löwen. Ihre Eltern, die den Berg daraufhin Stück für Stück absuchten, fanden nichts mehr.

Messelberg-Tour

Die Sage vom Kohlöffel

Es war vor vielen hundert Jahren. Donzdorf war damals noch ein kleines Dorf. Aber es hatte doch schon einen Gemeinderat mit einem Schultheißen an der Spitze und ein Rathaus war auch da. Dieses Rathaus stand an der Stelle, wo sich heute der Dorfbrunnen mit der Figur des hl. Johannes von Nepomuk befindet. Im Rathaus, das im Wesentlichen denselben Zwecken diente, wie heute, waren auch Gefängniszellen eingebaut. Also brauchte man auch einen Amtsdiener, der jedoch damals Amtsknecht genannt wurde. Neben den üblichen Verrichtungen eines Amtsknechtes hatte dieser für die Gefangenen zu sorgen, wenn sich solche in den Gefängniszellen befanden.Einmal aber war ein Amtsknecht da, der es mit den Gefangenen besonders schlecht meinte. Er gab ihnen wenig und schlechtes Essen und das Geld, das er von der Gemeinde für die Verpflegung der Gefangenen erhielt, steckte er zum größten Teil in seine Tasche. Oft aß er das für die Gefangenen bestimmte Essen selbst. So kam es, dass der böse Amtsknecht nach seinem Tode keine Ruhe finden konnte. Nacht für Nacht musste er nun mit einem Kochlöffel (mundartlich: Kohlöffel) in der Hand um das Rathaus herumgehen. Dabei leckte er ununterbrochen an dem mit einem Löwen-Wappen verzierten Kochlöffel und erhielt daher den Namen „Schlecklöffel“. Als die Bewohner der Nachbardörfer davon erfuhren, gaben sie den Donzdorfern den Spottnamen „Kohlöffel“.

Orchideenpfad

Der Frauenschuh

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Es war einmal im Mai, als Frau Holle auf ihrem Schimmel über die Fluren ritt und die Erdleutle ihr folgten. Sie segnete die Pflanzen und die Erdleutle sorgten dafür, dass alles wuchs und gedieh. Frau Holle war mit einem blauen Mantel bekleidet und an den Füßen trug sie goldene Schuhe. Nun kam sie gegen Ende ihres Rittes über die Schwäbische Alb.
Am Abend merkte sie, dass einer ihrer goldenen Schuhe fehlte. Sie wandte ihr Pferd und ritt noch einmal den ganzen Weg zurück, doch nirgends fand sie ihren goldenen Schuh. Sie sah aber, dass dort, wo die Hufe des Schimmels den Boden berührt hatten, besonders schöne Blumen blühten. Als es Nacht wurde, gab sie die Suche auf und legte sich zur Ruhe. Als am anderen Morgen die Sonne schien, sah sie eine Blume, die sie noch nie gesehen hatte:
Sie war golden und hatte die Form eines Schuhes. Da erkannte Frau Holle, dass die Erdleutle ihren Schuh in die Erde gebettet und zu einer schönen Blume umgewandelt hatten. Seither trägt diese Blume den Namen „Frauenschuh“, der besonders auf der Schwäbischen Alb zu finden ist. Nach Erzählerin: Johanna Sänger

Schloss-Filseck-Runde

Der Schatz von Schloss Filseck

In jeder Nacht, wenn die Uhr Mitternacht schlug, brüllte in der „Buschel“ der Alblöwe aus dem dort versunkenen Schloss. Dies sollte die Gauner und Bösewichte davon abhalten die großen Schätze, die im Schloss verborgen waren, zu stehlen. Man sagt, dass der Alblöwe in Wahrheit der Schlossherr war, der von einer bösen Hexe in einen Löwen verwandelt wurde und seither im Schloss umherwandele. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Schätze zu bewachen und nie hatte sich ein Unbefugter getraut, dem Schloss zu nahe zu kommen. Eines Tages jedoch zeigte sich dem Alblöwen das Schlossfräulein in einem der schönsten und prachtvollsten Kleider, die sie besaß. In diesem kurzen Moment, in dem der Alblöwe von der Schönheit des Schlossfräuleins geblendet war, gelang es einem besonders tückischen Gauner, einen Teil des Schatzes zu entwenden. Man munkelt, dass der Alblöwe seither durch die Wälder streift, auf der Suche nach dem Halunken.

Spielburg-Runde

Die Scheinlichter

Nach Hohenstaufen kamen früher, besonders in der Adventszeit, abends nach der Betglocke zwei bis drei, oft auch mehrere Lichter, die man Scheinlichter nannte. Sie kamen teils von Hohenrechberg und Staufeneck, teils aus den Heidenlöchern auf dem Hohenstaufen selbst und versammelten sich unten auf dem vorspringenden Hügel vor dem Dorfe, dem „Tanzplatz“ oder weiter unten bei den Felsen, die man „Spielburg“ nennt und die oberhalb Hohrein liegt, links am Weg nach Wäschenbeuren, zu Tanz und Spiel. Den Tanzplatz umgab sonst ein Ring von Gras, welches immer viel grüner blieb als der übrige Rasen. In diesem Kreis tanzten nun die Geister, die sich zum Besuch einfanden; daher der Name „Tanzplatz“. Es waren gar freundliche Geister, die ruhig an Menschen vorüberzogen und Niemandem etwas zu Leid taten. Man munkelt, dass das einzige Wesen, das die Geister sehen konnte, der Alblöwe war und dass dieser zwischen den Felsen versteckt die Geister beim Tanzen beobachtete.Seitdem man aber einen Steinbruch dort angelegt und den Tanzring zerstört hat, sieht man die Geister und auch den Alblöwen nicht mehr dort. Zuweilen kamen diese Lichter von Hohenstaufen, Rechberg und Staufeneck auch wohl auf dem „Eidebühl“ beim Märzenhoft zusammen und fochten dort miteinander, dass die Funken davonstoben. Auch nach dem alten Schloss bei Wäschenbeuren sah man bisweilen ein Licht vom Hohenstaufen aus fliegen.

Staufer-Runde

Die Riesen vom Hohenstaufen

Die Gegend um den Hohenstaufen war schon in uralten Zeiten schön und lieblich wie ein Garten Gottes und wurde seit jeher von zahlreichen stolzen Tieren behaust. Unter all diesen Tieren war der Hohenstaufen-Löwe derjenige, der die anderen beschützte und für Recht und Ordnung sorgte. Neben den Tieren wohnten in diesem Gottesgarten aber zwei wilde Riesenvölker, die hatten immer Streit miteinander. Einmal kämpften sie so erbittert miteinander, dass sie sich bis auf den letzten Mann umbrachten. Der Hohenstaufen-Löwe und die anderen Tiere brachten sich in Sicherheit und warteten ab, bis der Kampf vorbei war. Doch nach dem Kampf war die ganze Gegend zerstört. Da sagte unser Herrgott: „Nun haben diese wilden Riesen meinen schönen Gottesgarten zerstört – das Zuhause dieser prächtigen Tiere. Ich will aber einen neuen pflanzen.“. Er nahm also die Felsstücke, welche die Riesen gegeneinander geworfen hatten und schleuderte sie von sich und das gab die Berge der Alb. Dann nahm er die Rasenstücke, welche die Riesen losgerissen hatten und warf sie hinter sich und das gab den Schur- und den Welzheimerwald. Auf dem Platz aber, wo er stand und die gute Erde durchsiebte, entstand der Bergkegel des Hohenstaufen, der seither dem Hohenstaufen-Löwen als Heimat dient.

Steigen-Tour

Das Galgenbrünnele

In Geislingen wurde einst ein Mann verhaftet und zum Tode verurteilt, weil er einen mit Löwen verzierten goldenen Becher gestohlen hatte. Er wurde hinausgeführt, um an den Galgen gehängt zu werden, der sich an der Ulmer Straße eine halbe Stunde vor Geislingen befand. Am Richtplatz angekommen bat der Verurteilte, noch einmal zum Volk sprechen zu dürfen. Man gestattete ihm die Bitte.

Bevor er starb beteuerte er mit wehmutsvoller Stimme seine Unschuld und sprach: „So gewiss ich unschuldig bin, so gewiss wird ein Quell aus diesem Felsen entspringen und nie versiegen“. Darauf wurde er gehängt, und kaum war er verschieden, so brach aus dem Felsen ein frischer Quell mit vortrefflichem Wasser hervor, das noch immer fließt und niemals versiegt. Das ist das Galgenbrünnele. Nachher hat man auch den vermissten Becher wieder gefunden und die Unschuld des Gerichteten erkannt.

Wasserberg-Runde

Die Schmuggler von Unterböhringen

Es war zu der Zeit, da Unterböhringen noch der freien Reichsstadt Ulm zugehörig war. Damals war Unterböhringen Grenzgemeinde, und der Grenzbach im Rommental bildete die Grenze zwischen Ulm und Württemberg. In dieser Zeit blühte das Schmuggelwesen, und die Wächter hatten in dem unwegsamen Gelände einen schweren Stand. Da erstand ihnen aber in einer alten Frau, die aufgrund ihrer Kleidung von allen nur „Pelzmurre“ genannt wurde, eine Helferin. Sie unterstützte die Schmuggler und brachte die heiße Ware unbemerkt über die Grenze, da die Kontrolleure einem alten Weib keinerlei Beachtung schenkten.

Ein besonders riskantes Unterfangen der Schmuggler war der Transport eines wunderschönen und prächtigen Alblöwen, den sie gefangen hatten und der für teures Geld verkauft werden sollte. Wieder wandten sich die Schmuggler an die Pelzmurre, die ihnen helfen sollte. Doch die alte Frau hatte Mitleid mit dem stolzen Tier und beschloss die Schmuggler in die Irre zu führen und dem Tier die Freiheit zu schenken. Als die Schmuggler bei Nacht mit dem Alblöwen die Brücke am Grenzfluss erreichten, wartete die Pelzmurre bereits auf sie. Sie sprach ein paar magische Worte, so dass gleich Rauch aufstieg und die Holzbrücke über den Grenzfluss einfach verschwand. Die Schmuggler staunten nicht schlecht und trauten ihren Augen kaum. Die Pelzmurre nutzte die Gelegenheit und öffnete den Käfig des Alblöwen, so dass dieser fliehen konnte. Bevor die Schmuggler überhaupt bemerken konnten, was passiert war, tauchten auch schon die Grenzkontrolleure auf und nahmen die Schmuggler fest. Der Löwe und die Pelzmurre wurden daraufhin nie mehr gesehen…

Weitblick-Tour

Der feurige Reiter

Jede Nacht zur mitternächtlichen Stunde ist es auf der Ruine Scharfenschloss nicht geheuer. Ein feuriger Reiter ohne Kopf reitet auf einem schneeweißen Schimmel um die Burg und verschwindet dann wieder ebenso geheimnisvoll, wie er gekommen ist. Die Knechte, Mägde, Schmiede und sogar der Burgherr selbst, wagten sich zu dieser Uhrzeit nicht aus ihren Gemächern, denn sie fürchteten den feurigen Reiter.
Eines Nachts jedoch ging eine beherzte Magd vom Scharfenhof hinauf zur Ruine, um dem Schimmelreiter zu begegnen. Die Magd nahm zu ihrem Schutz den Burglöwen mit, den die Burgherrin von einem orientalischen Fürsten als Gastgeschenk erhalten hatte. In jener Nacht blieb jedoch der Geist aus und man sagt, der Löwe hätte dem feurigen Reiter solche Angst eingejagt, dass dieser seit her nie wieder auf der Ruine Scharfenschloss gesehen wurde.

Auszüge aus "Sagen im Kreis Göppingen"
Veröffentlichung des Kreisarchivs Göppingen Band 2, redigiert von Walter Ziegler, vierte Auflage